Medizin: Sowohl als auch

Deutsche wollen integrativ behandelt werden

 

Berlin, 6. September 2018. 75 Prozent der Deutschen befürworten eine Integrative Medizin, also das Miteinander von Schulmedizin und ergänzenden Therapien wie Naturmedizin und Homöopathie. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungs­instituts Kantar TNS, die vom homöopathischen Pharmahersteller Deutsche Homöopathie-Union (DHU) in Auftrag gegeben und Ende Juli 2018 veröffentlicht wurde. Für die repräsentative Umfrage wurden mehr als 1.000 Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 64 Jahren in Deutschland befragt.

Frei entscheiden können

Weitere Ergebnisse der Studie zeigen, dass es den Deutschen wichtig ist, frei entscheiden zu können – über 80 Prozent sprechen sich dafür aus, die Wahl ihrer Therapie und Arzneimittel mitbestimmen zu können. 66 Prozent der Befragten wollen in der Apo­theke frei zwischen Medikamenten aus der Schulmedizin und der Naturmedizin bzw. Homöopathie wählen können. 64 Prozent erwarten, dass ihr Arzt auch entsprechende Medikamente einsetzen kann. Mit 60 Prozent lehnt die Mehrheit der Deutschen auch ab, dass homöopathische Arzneien durch die Kranken­kassen nur sehr eingeschränkt erstattet werden.

Laut Studie ist die Homöopathie in Deutschland weit verbreitet: 56 Prozent der BürgerInnen haben Erfahrung mit Homöopathie bzw. homöopathischen Arzneimitteln und nutzen sie vor allem bei Alltagsbeschwerden für sich oder andere. Das Spektrum der behandelten Krankheiten ist groß. Ganz vorn liegen Erkältungen und grippale Infekte (51%), gefolgt unter anderem von Schlafstörungen und Unruhe (33%), Schmerzen und Gelenkbeschwerden (29%), Magen- und Darmproblemen (24%) oder Allergien und Heuschnupfen (24%). Interessant ist auch, dass es 68 Prozent der Deutschen als bevormundend empfinden, wenn in den Medien regelmäßig schwere Geschütze gegen Homöopathie & Co. aufgefahren werden.

Integrative Medizin der Zukunft

„Die neuen Zahlen decken sich mit bisherigen Umfragen: Naturheilkunde, Homöopathie und Anthroposophische Medizin sind in Deutschland fest verwurzelt“, kommentiert Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Patienten sehen das ganz pragmatisch: Sie wollen das nehmen, was ihnen hilft. Am besten in Kombination mit Verfahren der konventionellen Medizin. Die Botschaft ist also ganz deutlich: Lasst uns die immer noch zähen Grabenkämpfe zwischen Schul- und Komplementärmedizin endlich beenden und aktiv für eine integrativ ausgerichtete Medizin einstehen!“

Weitere Informationen
Die Umfrage wurde im Rahmen der Initiative „Homöopathie. Natürlich. Meine Wahl“ von der DHU in Auftrag gegeben. Unter dem Hashtag #MachAuchDuMit wurden Menschen eingeladen, eigene Erfahrungen mit der Homöopathie in den Sozialen Medien zu teilen. Nähere Informationen unter: www.homöopathie-natürlich.de

Hinter dem Rücken der Patienten

Patientenberatung an Pharma-Dienstleister verkauft

 

Berlin, 3. September 2018. Eine Patientenberatung, die gemeinnützig und unabhängig arbeitet? Das war einmal. Bis 2016 wurde die „Unabhängige Patientenberatung“ (UPD) von den Trägern Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) geführt. Dann war Schluss damit. In einem umstrittenen Verfahren hatten sich der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung für ein privates Unternehmen, die Sanvartis GmbH, als neuen Anbieter entschieden. Diese Entscheidung wurde von Patientenvertretern und vielen Experten im Gesundheitswesen scharf kritisiert.

Doppelte Fehlentscheidung

Nun dürfen Patienten erneut alarmiert sein: Im August 2018 wurde bekannt, dass die UPD kürzlich an die ebenfalls private Careforce GmbH weiterverkauft wurde. Besonders pikant: Die Careforce GmbH ist bislang ausschließlich als Personal- und Betriebsdienstleister für die pharmazeutische Industrie tätig geworden. Auffällig ist auch, dass die Entscheidung für den neuen Eigentümer in aller Stille gefallen ist und erst aufgrund aktiver Recherchen von der Tageszeitung „junge Welt“ ans Licht kam.

Prof. Dr. Ralf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, erklärte zu den jüngsten Entwicklungen: „Dieses Rundgeschiebe und Tricksen bei dubiosen Zugangsströmen und bei gleichzeitigen Mängeln in der Beratung zeigt: Eine wirklich unabhängige Patientenberatung gehört nicht in die Hand der Gewinnwirtschaft, sondern unter die Regie der Zivilgesellschaft.“ Die Unabhängigkeit der Beratung müsse inzwischen stark bezweifelt werden, meint auch der Verbund unabhängige Patientenberatung.

Skandalöse Vorgänge

Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV, kritisiert die Vorgänge ebenfalls: „Patienten haben ein Anrecht auf eine transparente, neutrale und unabhängige Beratung. Davon kann allerdings keine Rede sein, wenn ein Pharma-Dienstleister die Beratung übernimmt und damit eine handfeste Gewinnerzielungsabsicht verknüpft. Das ist ein Skandal – so verkommt die Patientenberatung zum Spielball von Interessensgruppen im Gesundheitswesen. Umso schlimmer, wenn der Verkauf in aller Verschwiegenheit über die Bühne gebracht wird. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Vorgänge zu überprüfen.  Schließlich geht es hier nicht nur um das Vertrauen von Patienten, sondern um viel Geld von den Versicherten. Denn die UPD erhält jährlich Fördergelder in Höhe von neun Millionen Euro vom GKV-Spitzenverband.“

Weitere Informationen
Informationen rund um die Vorgänge gibt es beim Verbund unabhängige Patientenberatung: www.v-up.de

Großer Aufwand, wenig Nutzen?

Umstrittene HPV-Impfung auch für Jungen

Berlin, 4. September 2018. An der Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) scheiden sich die Geister. Während die einen jubeln, dass es nun eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gebe, warnen gleichzeitig viele Experten vor überzogenen Erwartungen und kritisieren nicht zuletzt die immensen Kosten dieser Impfung. Zumal „Gebärmutterhalskrebs durch den Gebrauch von Kondomen und effektive Früherkennungsprogramme ausreichend kontrolliert werden kann“, wie der Verein Ärzte für Individuelle Impfentscheidung kritisch anmerkt. Trotzdem wurde die Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen. Damit übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

Argument der Gendergerechtigkeit

Nun rücken die Jungs in den Fokus: Obwohl bei der HPV-Impfung noch jede Menge Fragen offen sind und Langzeitstudien zur Impfstoffsicherheit fehlen, hat die STIKO im Sommer 2018 die Impfung auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Argumentiert wird von der STIKO vor allem damit, dass das Ziel der Empfehlung sei, "die gesellschaftliche Verantwortung für eine Reduktion der HPV-Krankheitslast in Deutschland auf beide Geschlechter [zu verteilen]". Zum anderen sollen aber auch andere (seltene) bösartige Erkrankungen wie Penis-, Anal- oder Plattenepithel-Karzinome des Mund-Rachen-Bereichs, die mit einer HPV-Infektion assoziiert sind, reduziert werden.

Umstrittene Entscheidung

Kritik an der Empfehlung kommt nicht nur von den Ärzten für Individuelle Impfentscheidung. Auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), die die Hausärztinnen und Hausärzte vertritt, distanziert sich: „Aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Evidenz für die Impfempfehlung und mangelnder Transparenz der vorgelegten Modellierung kann die DEGAM der Beschlussvorlage allerdings in diesem Fall nicht zustimmen.“ Die Fachgesellschaft erklärt unter anderem, dass die angestrebten Impfquoten „schwer erreichbar bis unmöglich“ seien. Die DEGAM zieht ein negatives Fazit: „Unabhängig davon können wir bereits jetzt Mängel der vorgelegten Modellierung erkennen, die zu einer relevanten Überschätzung des Impfnutzens und einem dramatischen Unterschätzen der Kosten führen.“

Auch Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV, warnt: „Die zu erwartenden Resultate der HPV-Impfung sind überschaubar – abgesehen davon, dass Langzeitstudien komplett fehlen. Trotzdem werden immense Ressourcen dafür bereitgestellt. Das zeigt, welche Prioritäten in unserem Gesundheitswesen gesetzt werden. Wenn man bedenkt, was man alles mit den Millionen machen könnte – zum Beispiel in der frühen Prävention bei Kindern ober in der Pflege ... Es ist bitter, dass die vorhandenen Mittel weniger in die so dringend benötigten und persönlich zu erbringenden Hilfeleistungen investiert werden, als in pharmakologische Scheinlösungen. Wir von GESUNDHEIT AKTIV setzen uns deshalb für einen konstruktiv-kritischen Umgang mit dem Thema Impfen ein.“

Weitere Informationen
Weitere Infos zur HPV-Impfung beim Verein Ärzte für Individuelle Impfentscheidung.

Wie Sie zu einer selbstbestimmten Entscheidung zum Impfen kommen, erfahren Sie in unseren Videos und Broschüren – hier geht’s zur Übersicht.

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Krankmachendes Licht?

Petition fordert Wahlfreiheit für gesundes Licht

 

Berlin, 3. September 2018. Ende des Jahres will die EU-Kommission darüber entscheiden, ob die Anforderungen an die Energieeffizienz von Leuchtmitteln weiter verstärkt werden sollen. Faktisch würde das nämlich bedeuten, dass nur noch LED-Leuchtmittel den Kriterien entsprechen und andere Leuchtmittel wie Halogen zuerst eingeschränkt und dann gar nicht mehr verkauft werden können. Eine erste Verschärfung dieser Anforderungen trat bereits zum 1. September 2018 in Kraft, eine weitere ist für den 1. September 2020 geplant.

Diese Entwicklung ist nicht unumstritten. Inzwischen liegen Studien vor, die gesundheitliche Risiken der LEDs feststellen, zum Beispiel in Bezug auf die Augengesundheit. Kinder sind dabei besonders betroffen. Das Netzwerk für gutes Licht kommentiert: „Während Halogen- und Glühlampenlicht das ganze Farbspektrum abdecken und dem Sonnenlicht verwandt sind, ist das Licht von LEDs mit seinem hohen Blau- und niedrigen Rotanteil ganz anders zusammengesetzt.“ Neuere Studien zeigen – so die Initiative – auch, dass LEDs im Klassenzimmer die Gedächtnisfähigkeit und Kreativität der SchülerInnen beeinträchtige.

Petition für echte Wahlfreiheit

Mit der Petition „Wahlfreiheit für gesundes Licht“ will das Netzwerk ein Umdenken anstoßen: „Wir fordern für alle europäischen Bürger die Freiheit, auch in Zukunft gesunde Leuchtmittel kaufen zu können.“ Denn die gesundheitlichen Risiken von LED-Licht seien erheblich: „In unserer Petition beziehen wir uns vor allem auf die Risiken, die durch Studien sicher belegt sind, wie zum Beispiel die steigenden Zahlen an Augenerkrankungen, Kurzsichtigkeit bei Kindern und zunehmender Altersblindheit durch Makuladegeneration, die unzweifelhaft in direkten Zusammenhang mit dem hohen Blaulichtanteil in der LED stehen.“

Machen Sie mit?
Die Petition wurde bereits von über 10.000 Menschen unterschrieben und läuft noch bis Ende des Jahres. „Wir freuen uns, dass wir mit unserer Petition so viele Menschen aktivieren konnten“, sagt Ulrike Wendt vom Netzwerk. „Aber wir brauchen noch mehr Stimmen, um auch gegenüber der Politik deutlich machen zu können, dass es ein hohes gesellschaftliches Interesse an gesundem Licht gibt. Erst so können wir etwas erreichen. Deshalb bitten wir alle, die sich für das Thema interessieren, uns mit der Petition zu unterstützen.“

Weitere Informationen
Weitere Infos online beim Netzwerk für gesundes Licht: www.lichtfragen.info

Eine (halbe) Mütze voll Schlaf

Bedenklicher Anstieg von Schlafstörungen

Berlin, 5. September 2018. In Deutschland haben immer mehr Menschen Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Seit 2010 sind die Schlafstörungen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen, wie schon 2017 im Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK aufgezeigt wurde. Demnach fühlen sich 80 Prozent der Arbeitnehmer betroffen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung sind das etwa 34 Millionen Menschen. Unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie leidet heute sogar jeder zehnte Arbeitnehmer. Dementsprechend ist fast die Hälfte der Erwerbstätigen bei der Arbeit müde (43 Prozent). Etwa ein Drittel (31 Prozent) ist regelmäßig erschöpft. Im Vergleich zu 2010 schlucken heute fast doppelt so viele Erwerbstätige Schlafmittel.

Mehr Risiken durch Schlafstörungen

Diese Zahlen sind alarmierend. Studien konnten inzwischen auch zeigen, dass Schlafstörungen das Risiko für Depressionen, Angststörungen und Adipositas deutlich erhöhen. Dass die Lebensqualität leidet, ist ebenfalls wissenschaftlich bewiesen. Problematisch ist vor allem auch der massenhafte Einsatz von Schlafmitteln. Die Verordnungszahlen steigen. Darüber hinaus kauft jeder Zweite seine Schlafmittel ohne Rezept. Und oft über lange Zeiträume auch verschreibungspflichtige Mittel mit hohem Abhängigkeitspotenzial.

Gründe für den Anstieg der Schlafstörungen vermutet die Medizin unter anderem in unseren heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und die ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtigste Risikofaktoren. Einen weiteren Risikofaktor schaffen wir uns allerdings selbst: Die Mehrzahl der Menschen nutzt abends – auch direkt vor dem Schlafengehen – verstärkt digitale Medien, die das Zur-Ruhe-Kommen deutlich erschweren.

Nacht als Spiegel des Tages

In der Anthroposophischen Medizin spielen deshalb die Themen bewusste Entspannung und Rhythmus bei Schlafstörungen eine zentrale Rolle. „Schlafmedizin ist keine Frage von Tabletten und einfachen Lösungen“, sagt Dr. med. Matthias Girke, Facharzt für Innere Medizin und Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum (Dornach, Schweiz). „Es gibt viele therapeutische Wege, die ein Patient mit Schlafstörungen gehen kann. Zum Beispiel kann er Einfluss auf seine Tagesgestaltung nehmen. Denn die Nacht ist der Spiegel des Tages. Dazu müssen wir in aller Regel unseren Tages-Rhythmus pflegen und ebenso das Wechselspiel von An- und Entspannung. So hat sich ein abendliches Innehalten bewährt, zum Beispiel mit einem kurzen Tagesrückblick, bei dem man – ohne Bewertung! ­– einfach die Geschehnisse des Tages noch einmal an seinem inneren Auge vorbeiziehen lässt. So kann man gut alles hinter sich lassen und das Einschlafen vorbereiten.“

Termin-Tipp!
Wie das konkret aussehen kann, erläutert Dr. Michaela Glöckler in ihrem Vortrag „Die Bedeutung des Schlafes – Tieferes Verständnis für unsere Nachtruhe“ bei GESUNDHEIT AKTIV. Sie geht dabei folgenden Fragen nach: Was ist Schlaf überhaupt? Wie gestalten wir einen guten Tag-Nacht-Rhythmus, und was hilft uns, in den Schlaf zu finden? Wo sind wir, wenn wir schlafen? Und warum nannte man früher den Schlaf den kleinen Bruder des Todes?

  1. 09. NOVEMBER 2018, BERLIN

DIE BEDEUTUNG DES SCHLAFES
Vortrag von Dr. Michaela Glöckler
8 Euro, 5 Euro ermäßigt (Abendkasse)

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